Zeitzeugengespräch mit Agnes Grunwald-Spier an der GGO

Agnes Grunwald-Spier ist eine ältere freundliche Dame aus London. „Wenn ich meine Bücher schreibe“, so sagt sie, „dann mache ich dies für meine Eltern und für alle, die keine Stimme mehr haben, über den Holocaust zu berichten“. Nun ist sie zum zweiten Mal nach Gießen gekommen, um ihre Geschichte zu erzählen und um ihr neuestes Buch Womens’s Experiences in the Holocaust vorzustellen.

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU Gießen und der Ernst-Ludwig-Chambré Stiftung zu Lich, berichtete die Autorin, Historikerin und Zeitzeugin vor Schülern der LKs Englisch und des bilingualen Geschichtskurses Jg. 12 der Gesamtschule Gießen-Ost zunächst über ihr Leben und das ihrer Eltern. Frau Grunwald-Spier wurde im Juli 1944 in Budapest geboren. Mit nur wenigen Monaten kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter Leona Grunwald in das Getto Budapest, aus dem sie im Januar 1945 befreit wurde. Nur knapp und eher durch einen Zufall entkamen die beiden der Deportation.

Bereits im Oktober letzten Jahres war Frau Grundwald-Spier an der Ostschule zu Gast und sprach über ihr Leben und ihre Bücher. Im Juni 2010 veröffentlichte sie ihr erstes Werk The Other Schindlers. Why Some People Chose to Save the Jews in the Holocaust, in dem es um 30 Rettungsaktionen in zehn besetzten Ländern geht. Ihr zweites Buch wurde im Januar 2016 unter dem Titel Who Betrayed the Jews? The Realities of Nazi Persecution in the Holocaust herausgegeben. Es beschäftigt sich mit den verschiedensten Arten des Verrats an den Juden.

Im vergangenen Jahr nun erschien das neue Buch von Agnes Grunwald-Spier in England unter dem Titel Women’s experiences in the Holocaust. Darin geht es speziell um die Erfahrungen von jüdischen Frauen im Holocaust. Das Werk stellt die Biographien und Geschichten verschiedener jüdischer Frauen vor und macht deutlich, wie sehr sich ihre Schicksale und Herausforderungen von denen der Männer unterschieden.

Die Art und Weise, wie Frau Agnes Grunwald-Spier über ihr Leben berichtete und ihre Auseinandersetzung mit dem Holocaust und seinen Nachwirkungen für ihre Familie, boten den Schülerinnen und Schülern einen neuen Zugang zu diesem schwierigen Thema, das gerade in der heutigen Zeit einen ganz besonderen Stellenwert hat. Dies zeigte sich auch in den interessanten Fragen der Schülerinnen und Schüler im Anschluss an das Gespräch.

Die Bücher von Agnes Grunwald-Spier sind in der Mediothek der GGO ausleihbar.